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Levi, Berta

Nachname: Levi
Vorname(n): Berta
Geburtstag: 14.04.1881
Geburtsort: Weidenau (heute Siegen-Weidenau)
Wohnort(e): Weidenau (heute Siegen-Weidenau); 
Adolf-Hitler-Straße 65 (heute Sandstraße 137), Siegen
Beruf(e): Näherin und Hutmacherin
Religion: jüdisch
Fluchtziel(e): nicht geflohen
Deportationsdatum: 30.04.1942 ab Dortmund
Haftort(e): nicht inhaftiert
Todesdatum: April 1942
Todesort: Tot auf Transport
Biografie:
Die Großeltern von Berta Levi, Gottlieb Levi (geb. 12. September 1812 in Erndtebrück, gest. 13. April 1887 in Weidenau) und Fanny Levi geb. Süssmann (geb. 25. Mai 1822 in Asslar, gest. 28. Oktober 1901 in Weidenau) waren in den 1870er Jahren von Erndtebrück nach Fickenhütten (Weidenau) gezogen. Gottlieb Levi war Kaufmann, Vieh-, Fell- und Wollwarenhändler. Der Sohn Michael Levi, geb. am 11. September 1858, ebenfalls Kaufmann, lebte mit seiner Frau Esther, geb. am 09. Mai 1859, und den drei in Weidenau geborenen Kindern in der Breite Straße. Er starb am 28. August 1910. Sohn Moritz, geb. am 24. Mai 1883, kam am 24. Oktober 1916 vor Verdun ums Leben. Er war unverheiratet. Der zweite Sohn Josef, geb. am 13. Mai 1885, wanderte bereits vor dem Ersten Weltkrieg nach Kalifornien/USA aus. Nach dem Tod des Gatten Michael zog Esther Levi nach Siegen und wohnte bis zu ihrem Tode am 3. Februar 1940 gemeinsam mit Tochter Berta in der Sandstraße 65 (damals Adolf-Hitler-Straße 65, heute Nr. 137).

In diesem Haus befand sich die Metzgerei Schmehl. Die hoch betagten Töchter des Metzgers Schmehl konnten sich 2009 gut an Berta Levi und ihre Mutter erinnern. Durch die totale Zerstörung des Hauses beim Bombenangriff am 16. Dezember 1944 ist kein Foto mehr vorhanden.

Berta Levi war Näherin und Putzmacherin (Hutmacherin). Gemeinsam mit ihrer Freundin Lina Nies war sie im Putzgeschäft von Anna Meier, Sandstraße 3, Weidenau, beschäftigt. Beide Freundinnen waren behindert. Berta Levi hatte einen Klumpfuß. Die Schwester von Lina Nies, Marta Nies, gab am 17. Mai 1952 zu Protokoll, dass sie bereits nach dem Ersten Weltkrieg mit Emma (Esther) und Berta Levi freundschaftlich verbunden war. Berta Levi hat ihr vor der Deportation am 28. April 1942 verschiedene Dokumente der Familie, Erbbescheinigungen und einen Auszug aus dem Grundbuch von 1876, mit der Bitte übergeben, sie an den Bruder Josef weiterzuleiten. Da ihre briefliche Kontaktaufnahme ergebnislos blieb, übergab sie die Dokumente der Amtsverwaltung Weidenau.

Marta Nies hatte die Information, dass Berta Levi bereits auf dem Transport nach Zamosc verstorben ist. Die persönlichen Erinnerungsgegenstände von Berta Levi, drei Zinnteller, ein Zinnbecher und fünf Schmuckstücke, gingen nach dem Tod von Marta Nies in den Besitz der Nichte Brigitte Kölsch über. Frau Kölsch hat sie 2009 dem Aktiven Museum Südwestfalen zur Erinnerung an Berta Levi übergeben.

Die Tante (2. Grades) von Berta Levi, Bertha Levi, geb. am 28. Mai 1880 in Erndtebrück, Tochter von Liebmann Levi, Bruder von Gottlieb, lebte seit 1933 in Siegen in der Bahnhofstraße. Sie war ledig und wurde ebenfalls am 28. April 1942 nach Zamosc deportiert.
 
Traute Fries, 2011
Fotoquelle: AMS
Quellenangabe: GB BA Berlin,Thiemann, Walter: Von den Juden im Siegerland, Siegen 1968,Dietermann, Klaus: Jüdisches Leben in Stadt und Land Siegen, Siegen 1998,Piorr, Ralf (Hg): Ohne Rückkehr, Essen 2012, S. 79
Verlegedatum Stolperstein: 17.04.2010
Verlegeort Stolperstein: Sandstraße 137, Siegen
Sandstraße 137, Siegen