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Löwenstein, Hulda

Nachname: Löwenstein
Vorname(n): Hulda
Geburtstag: 08.03.1885
Geburtsort: Bochum
Wohnort(e): Bochum; 
Untere Kaiserstraße 54, Geisweid (heute Werksgelände der DEW, Siegen-Geisweid)
Beruf(e): Kauffrau
Religion: jüdisch
Fluchtziel(e): nicht geflohen
Deportationsdatum: 28.04.1942
Haftort(e): Zamosc
Todesdatum: unbekannt
Todesort: unbekannt
Biografie:
Die Geschwister Löwenstein betrieben in der Unteren Kaiserstraße 54 (heute Werksgelände der DEW) in Geisweid ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren unter der Bezeichnung „Geschwister Löwenstein“. Ihre Wohnung befand sich ebenfalls in diesem Haus. Im Zusammenhang mit dem „Wiedergutmachungsverfahren“, das 1958 von der Schwester Selma Steinberg geb. Löwenstein, USA, angestrengt wurde, existiert eine Liste über die Wohnungs-, Geschäftseinrichtung, Hausrat und übrige Wertsachen sowie Angaben zum jährlichen Reingewinn des Geschäftes ab 1930 bis 1935. Die Mitbewohnerin des Hauses, Frau Frieda Speck, hat detaillierte Angaben dazu gemacht. Herr Karl Heinrich aus Klafeld hat u. a. ausgesagt, dass in der so genannten Kristallnacht nichts zerstört wurde.

Nach dem Pogrom im November 1938 hatten die Geschwister nach den Zeugenaussagen kein Einkommen mehr und mussten von ihren Rücklagen leben. Ein Teil der Lagerware sei an die Bevölkerung verteilt worden. Bereits vor der Deportation seien von der Gestapo die Gold- und Silbersachen sowie das Geld, einige 1000 RM in einer Wandkassette, konfisziert worden. Die Wohnungs- und Geschäftseinrichtung wurde ebenfalls beschlagnahmt. Der Hausrat sei durch die NSV (NS-Volkswohlfahrt) an Minderbemittelte verteilt worden. Der Kaufmann Karl Sonneborn hat Einrichtungsgegenstände des Ladens und den restlichen Warenbestand übernommen. Er hat Julius Löwenstein nach der Rückkehr aus Theresienstadt 10.000 RM Entschädigung gezahlt. Diese Aussage stammt von der Witwe, Frau Alma Löwenstein geb. Löwenstein, die am 18.08.1960 ebenfalls Angaben zu den Vermögenswerten gemacht hat.
Julius Löwenstein lernte seine Frau Alma im KZ Theresienstadt kennen. Am 10. November 1945 heirateten sie in Siegen. 1947 sind die Eheleute in das Haus Untere Kaiserstraße 54 eingezogen. Frau Löwenstein wurde am 4. Oktober 1901 in Dortmund geboren. Sie ist im August 1960 nach Siegen verzogen und starb dort am 10. Januar 1976.

Frau Speck hat 1960 angegeben, dass die Geschwister 40 Pfund Gepäck mitnehmen durften, das ihnen aber bereits in Dortmund abgenommen worden sei. Sie erhielt eine Postkarte, die aus dem Zug geworfen wurde. Darauf war vermerkt, dass der Transport nach Russland gehe.

Julius Löwenstein bezeichnete sich in einem Schreiben an den Oberbürgermeister der Stadt Siegen vom 12.07.1950 als „Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde Siegen“. Er, seine Frau und nur wenige jüdische Frauen, die mit christlichen Männern verheiratet waren, hatten überlebt. Die Aufstellung des Gedenksteins auf dem Hermelsbacher Friedhof erlebte er nicht mehr.
 
Traute Fries, 2010
Fotoquelle: AMS
Quellenangabe: GB BA Berlin ,Thiemann, Walter: Von den Juden im Siegerland, Siehen 1968, S. 43,Dietermann, Klaus: Jüdisches Leben in Stadt und Land Siegen, Siegen 1998 ,Piorr, Ralf (Hg): Ohne Rückkehr, Essen 2012, S. 73
Verlegedatum Stolperstein: 02.12.2010
Verlegeort Stolperstein: Werksgelände der Deutschen Edelstahlwerke, Siegen-Geisweid
Werksgelände der Deutschen Edelstahlwerke, Siegen-Geisweid